Artikel des Bonner Generalanzeiger vom 03.07.2018

Was Sie zum Bürgerentscheid in Bonn wissen sollten

Von Andreas Baumann, 03.07.2018

Bis zum 3. August können die Bonner beim Bürgerentscheid über das geplante Wasserlandbad in Dottendorf abstimmen. Sie treffen eine Entscheidung, die die Bäderlandschaft der Stadt über Jahrzehnte prägen wird.

Ab dieser Woche gilt es: Die Stadt beginnt am Donnerstag, die Wahlunterlagen für den Bürgerentscheid zur Zukunft der Bäderlandschaft zu versenden. Bis zum 3. August haben alle kommunalwahlberechtigten Frauen und Männer Gelegenheit, die Abstimmungsfrage „Soll der Neubau eines Schwimmbades in Dottendorf gestoppt werden?“ mit „Ja“ oder „Nein“ zu beantworten. Um so wichtiger, die wesentlichen Fakten zu kennen.

Das Wasserland-Projekt wäre geplatzt, wenn die Mehrheit der Wähler mit „Ja“ stimmen würde, und die Mehrheit zehn Prozent der Wahlberechtigten entspräche – das sind rund 25.000 Stimmen. Der erste Bürgerentscheid der Stadtgeschichte im Frühjahr 2017 drehte sich im Prinzip um dasselbe Thema. Damals stimmte eine knappe Mehrheit von 51,6 Prozent der rund 97.000 Teilnehmer gegen die Rettung des Kurfürstenbades. Diesmal stehen zwei Gruppen hinter dem Versuch, das Wasserlandbad zu stoppen: die Initiativen „Kurfürstenbad bleibt!“ und „Frankenbad bleibt Schwimmbad“. Auch die Ratsopposition lehnt den Neubau ab.

Auf der Gegenseite: CDU, Grüne und FDP. Die Koalition hat das Projekt im Dezember 2017 beschlossen, um die jahrzehntelange Debatte um die Bäder zu beenden. Der Sanierungsstau ist gewaltig; das Kurfürstenbad schon dicht, wegen technischer Mängel sind derzeit die Beueler Bütt und zwei Schulschwimmhallen außer Betrieb. Stadtsportbund und Schwimmvereine unterstützen das Wasserland-Projekt, die Spitzen von Stadtverwaltung und Stadtwerken ebenso.

Wie sieht das wirtschaftliche Konzept des Wasserlandbades aus?

Die Stadtwerke Bonn (SWB) sollen das große Hallenbad neben dem Heizkraftwerk in Dottendorf an der Christian-Miesen-Straße bauen und mit eigenem Personal betreiben. Das Defizit soll steuersparend mit den Gewinnen der SWB-Energiesparte verrechnet werden. Den verbleibenden Verlust ziehen die SWB von ihren Ausschüttungen an die Stadt ab. Auch auf der Ebene der Kommune soll die Konstruktion Steuervorteile erzeugen. Die Nachbarschaft zum Heizkraftwerk (HKW) steht für Synergie: Dort will die SWB technische Versorgungseinrichtungen und zwei Blockheizkraftwerk-Module für das Bad unterbringen. HKW-Techniker können auch im Schwimmbad zupacken.

Woher kommt das Geld für den Neubau?

Die SWB veranschlagen 60 Millionen Euro (ohne Mehrwertsteuer, die nur ein „durchlaufender“ Posten ist). Die Stadt nimmt das Geld als Kredit auf und reicht es an die SWB weiter. Weil die Kommune einen besonders günstigen Zinssatz erhält, kalkulieren die Stadtwerke in ihrem Businessplan mit nur einem Prozent. Zusätzlich muss das kommunale Unternehmen aber eine sogenannte Avalprovision von jährlich 160.000 Euro an die Stadt zahlen – sonst könnte die EU den Kredit als unerlaubte Beihilfe werten. Die SWB werden Eigentümer des Neubaus sein, die 60 Millionen Euro nur als nachrangiges Darlehen ins Grundbuch eingetragen. Für den unwahrscheinlichen Fall einer SWB-Insolvenz würden also zunächst andere Gläubiger bedient. Das Konstrukt sei so gewählt worden, um die Kreditwürdigkeit der SWB nicht zu belasten, erklärt die Stadt.

Infografik: Generalanzeiger

Zuschussbedarf Wasserlandbad

Summe Erlöse 2.494.000
Energiekosten: -1.100.000 Euro
Personalkosten: -1.627.000 Euro
Fremdreinigung: -232.000 Euro
Technische Betriebsführung: -119.000 Euro
Kaufmännische Betriebsführung: -200.000 Euro
Marketing: -95.000 Euro
Sonstige Betriebskosten: -300.000 Euro
Instandhaltungskosten: -642.000 Euro
Summe Betriebskosten: 4.315.000 Euro
Betriebsdefizit: -1.821.000 Euro

Afa Neubau (Abschreibung): -2.420.000 Euro
Finanzierungsaufwand: -490.00 Euro
Steuervorteil: 1.360.000 Euro
Steuervorteil Kapitalertragssteuer Stadt: 530.000 Euro
Avalprovision an Stadt: 160.000 Euro
Gewerbesteuer an Stadt: -140.000 Euro
Erstattung Bonn-Ausweis: -70.000 Euro
Zuschussbedarf p.a.: -2.891.000 Euro

Droht eine Kostenexplosion wie bei der Beethovenhalle?

Wohl kaum. Die SWB haben einen Puffer von 5,6 Millionen Euro für Unvorhergesehenes eingeplant. Es baut außerdem nicht das Städtische Gebäudemanagement Bonn (SGB), dessen Ressourcen begrenzt sind. Die SWB beauftragen einen Generalunternehmer, der für das Projekt geradestehen muss. Die Kosten für den Generalunternehmer sind in der Gesamtinvestition enthalten.

Ist der Neubau wirtschaftlicher als Sanierung der alten Bäder?

Laut Stadtverwaltung ja. Zwar wären die Investitionen mit rund 34 Millionen Euro viel niedriger als beim Neubau – wobei die Stadt beim Kurfürstenbad auch einen Anbau mit Sauna und Lehrschwimmbecken eingepreist hat, um ein mit dem Wasserland vergleichbares Angebot zu unterstellen. Auch die Betriebskosten wären in den sanierten Gebäuden mit 2,3 Millionen Euro niedriger als im deutlich größeren Neubau (4,3 Millionen Euro, siehe Tabellen).
Aber: Die Stadt rechnet noch Kosten von 490.000 Euro für eine fiktive Erweiterung der Öffnungszeiten im Franken- und im Kurfürstenbad hinzu – ebenfalls um Vergleichbarkeit mit dem Neubau herzustellen. Die beiden Bäder öffnen bisher 39 Wochen, während das Wasserlandbad das ganze Jahr über zur Verfügung stehen soll. Entscheidend aus Stadtsicht: Die Steuervorteile des Neubaus senken den Zuschussbedarf unter den der Sanierungsvariante. Im neuen Bad: 2,89 Millionen Euro. Beide Bestandsbäder zusammen: 3,94 Millionen Euro. Allerdings zieht der eingerechnete Kapitalsteuervorteil beim Neubau für die Stadt erst nach mehreren Jahren in voller Höhe, wie die Stadtwerke nach dem Ratsbeschluss einräumen mussten. Die Belastung ist anfangs also rund 500.000 Euro im Jahr höher als angegeben.

Zuschussbedarf Frankenbad und Kurfürstenbad

Summe Erlöse: 624.000 Euro
Energiekosten: -570.00 Euro
Personalkosten: -1.287.000 Euro
Instandhaltung: -223.000 Euro
Grundbesitzabgaben: -146.000 Euro
Sonstige Betriebskosten: -83.000 Euro
Summe Betriebskosten: 2.309.000 Euro
Betriebsdefizit: -1.685.000 Euro
 
Afa Sanierungsaufwand (Abschreibung): -1.440.000 Euro
Afa Bestand: -160.000 Euro
Finanzierungsaufwand: -160.000 Euro
Verlängerung bisheriger Öffnungszeiten: -490.000 Euro
Zuschussbedarf p.a.: -3.935.000 Euro

Welche Risiken hat das Wasserland-Projekt?

Der Neubau ist nur dann wirtschaftlicher als die Sanierungsvariante, wenn das Steuer-sparmodell der SWB greift. Dafür müssen die Gewinne des Konzerns aber hoch genug sein – zumal er auch 26 neue Niederflurbahnen für rund 60 Millionen Euro anschaffen und die entsprechenden Abschreibungen stemmen muss. Zwischenzeitlich gab es im Unternehmen interne Zweifel, ob der Steuervorteil trotzdem zieht. Doch der aktuelle Wirtschaftsplan macht SWB-Geschäftsführer Peter Weckenbrock optimistisch. „Wir gehen davon aus, dass mit den erwirtschafteten Ergebnissen die möglichen Steuervorteile dauerhaft im vollen Umfang gehoben werden können“, sagt sein Sprecher Werner Schui. Sauna, Wellnessbereich und Gastronomie dürfen laut Finanzamt nicht in den so vorteilhaften steuerlichen Querverbund einbezogen werden. Entstehen dort Verluste – wovon die SWB aber nicht ausgehen – muss die Stadt diese übernehmen.

Was ist mit den Personalkosten?

Das ist ein weiteres Kostenrisiko. Die SWB Bad GmbH soll das Wasserland mit eigenem Team (36 Vollzeitstellen) betreiben. Gleichzeitig will die Stadt ihre bislang 48 Vollzeitstellen im eigenen Bäderbetrieb nicht reduzieren, obwohl Kurfürsten- und Frankenbad endgültig aufgegeben werden sollen. Denn: Mit weniger Personal könnte sie im Sommer wohl nicht alle Freibäder öffnen. Bonns öffentliche Bäder werden also insgesamt mehr Personal benötigen als heute. Zwar sollen städtische Mitarbeiter auch im Wasserland eingesetzt und deren Personalkosten zugunsten der Kommune verrechnet werden. Aber in den Sommermonaten wird das wegen der Freibäder nicht funktionieren. Dann müssen die SWB sich anderswo befristet Fachkräfte besorgen. Wie das gehen soll, wie viel Stadtpersonal im Wasserland aktiv wird – alles unklar. Die Stadt beantwortet Anfragen seit Monaten mit der pauschalen Ankündigung, bis Ende 2019 ein gemeinsames Perso-nalkonzept auszuarbeiten.

Daten des neuen Bades:

Das Gebäude nach dem Entwurf von 4a Architekten soll sich in eine Halle für Schul-klassen und Sportler sowie eine Familienhalle mit eigenen Eingängen gliedern. Beide Bereiche werden durch Glaswände getrennt. Das Bad wird – anders als die städtischen Hallenbäder – ganzjährig geöffnet sein und ein beheiztes Außenbecken erhalten. Wassertemperatur je nach Becken: 28 bis 34 Grad. Es sind ein Sprungturm und mehrere Rutschen geplant. Stellplätze für je 300 Autos und Fahrräder sind geplant.
Die Becken: Schul- und Sportbecken 25 Meter, zehn Bahnen, flankiert von einer Tribüne mit mehr als 300 Plätzen. Außerdem ein Mehrzweckbecken, 25 Meter, acht Bahnen; jeweils ein Lehr-, Fitness-, Kinder- und Multifunktionsbecken mit Hubboden; Erlebnisbecken innen und außen
Gastronomie, Wellness und Sauna: Die Gastronomie mit Innen- und Außenplätzen ist im südlichen Eingangsbereich vorgesehen. Fünf Saunen, ein Dampfbad und Wellnessangebote entstehen auf zwei Etagen, mit abgeschirmter Außenterrasse.
Foto: Martin Magunia

Stehen die Steuerzahler für Risiken gerade?

Ja, genau wie bei einer Sanierung der alten Bäder. Es geht in beiden Varianten um Daseinsvorsorge und städtisches, also Steuergeld. Die SWB werden das Wasserland-Defizit ab 2021 von den Ausschüttungen abziehen, die sie laut Ratsbeschluss an die Kommune zahlen sollen. Diese 4 Millionen Euro (in Folgejahren 5 Millionen) waren aber schon im Haushaltssicherungskonzept (HSK) eingeplant, mit dem die Stadt sich gegenüber der Bezirksregierung Köln verpflichtet hat, bis 2021 ihren Haushalt auszugleichen.
Jeden Euro, den die SWB weniger ausschütten, muss die Stadt an anderer Stelle sparen oder über Steuern und Gebühren einnehmen. Machen die Stadtwerke zu wenig Gewinn, hat die Stadt das Wasserland-Defizit zudem direkt auszugleichen. Die Stadt verweist darauf, dass die Neubau-Variante ja weniger Zuschussbedarf habe als zwei Alt-Bäder. Deren Sanierung – in diesem Fall durch das überlastete SGB – wäre zweifellos ein großes Kostenrisiko, vor allem beim denkmalgeschützten Frankenbad. Bei den geschätzten 34 Millionen Euro würde es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht bleiben. Zum Vergleich: In der Beethovenhalle sind die Ausgaben bisher schon von 61,5 auf rund 87 Millionen Euro gestiegen.

Sind die Besucherzahlen zu optimistisch kalkuliert?

Die Stadtwerke gehen von 410.000 im Jahr aus. Sie stützen sich auf einen Vergleich mit dem Aggua-Bad in Troisdorf, eine Analyse der bundesweit aktiven Unternehmensbera-tung Altenburg und ältere Zahlen der Bäder-Gutachterin Kim Adam. Kämen zum Beispiel zehn Prozent weniger Besucher als erwartet, würde das laut Stadtverwaltung einen Einnahmeverlust von etwa 150 000 Euro im Jahr bedeuten. Die SWB kalkulieren mit jährlichen Erlösen von 2,49 Millionen Euro – fast das Vierfache der 624 000 Euro, die die Stadt für die Sanierungsvariante mit Kurfürsten- und Frankenbad ansetzt.

Warum ist der Eintritt ins Wasserland teurer als in anderen Bädern?

Aus wirtschaftlichen Gründen und weil der Neubau attraktiver sein wird, wie SWB und Stadtverwaltung betonen. Kann man sonst für 4 Euro den ganzen Tag in städtischen Becken baden, reicht das im Wasserland nur für 75 Minuten. Für eine Tageskarte zahlen Erwachsene 9,50, am Wochenende 11,50 Euro. Die Familienkarte (zwei Kinder) kostet 22 Euro, am Wochenende 26 Euro. Mit Bonnausweis gibt es 50 Prozent Rabatt.

Was passiert mit den beiden alten Bädern?

Das Grundstück des Kurfürstenbads soll verkauft werden. Das Frankenbad soll im Stadteigentum bleiben und muss denkmalgerecht saniert werden. Die millionenschweren Kosten hängen von der späteren Nutzung ab. Der Stadtverwaltung schwebt eine Freizeitnutzung vor, möglicherweise als Kletterhalle. Ein externes Büro soll nun ein Werkstattverfahren organisieren. Einschließlich Wasserland hätte Bonn ab 2021 noch 14 Schwimmbäder: das Kombi-Bad auf dem Hardtberg, die Freibäder Römerbad, Ennertbad, Melbbad, Friesdorf und Rüngsdorf, die Hallenbäder Sportpark Nord und Beueler Bütt sowie fünf Schwimmbecken in Derletalschule, Ludwig-Richter-Schule, Rheinschule, Bo-delschwingschule und im Konrad-Adenauer-Gymnasium.

Wie begründet die Ratskoalition aus CDU, Grünen und FDP ihren Beschluss für das Wasserlandbad?

Attraktiver als die alten Bäder, energetisch optimiert, auf dem neusten technischen Stand und barrierefrei – all das spreche zusätzlich zu den Steuervorteilen für den Neubau. Durch die ganzjährige Nutzung und die größere Wasserfläche würden die Schwimmzeiten für alle ausgeweitet, vor allem für die Schulen. Das Wasserlandbad liege in der Bonner Mitte und sei mit Bus, Bahn, Rad und Auto bestens erreichbar. Außerdem sei es den Wünschen der Bonner angepasst: mehr als 2500 Menschen machten bei der Bürgerbeteiligung mit. Sportvereine, Lehrer und andere Nutzergruppen wurden in Workshops und Planungsrunden eingebunden.

Was kritisieren die Gegner?

Die Baukosten seien zu hoch, die wirtschaftlichen Risiken zu groß, der Eintritt zu teuer. Wegen längerer Anfahrtswege aus dem Süden und Norden sei das Bad ungeeignet für das Schulschwimmen. Es werde zu mehr Autoverkehr führen. Das Abholzen von vielen Bäumen in einer Frischluftschneise richte ökologischen Schaden an. Auch der Naturschutzbeirat hat Bedenken angemeldet. Die beiden Initiativen fürchten außerdem die Schließung weiterer Bäder.

Müssen Schüler länger fahren?

Einige ja, andere nicht. Die Unterschiede zu den beiden alten Standorten liegen aber nur im Minutenbereich. Von der Grundschule Am Domhof in Mehlem etwa dauert es ohne Staus bis zum Wasserland rund 20 Minuten, von der Bertolt-Brecht-Gesamtschule in Tannenbusch etwa 22 Minuten.

Gibt es mehr Kapazität für das Schulschwimmen als vorher?

Das Schul- und Sportbecken im Wasserland soll zehn Bahnen bekommen; das große Mehrzweckbecken weitere acht Bahnen (jeweils 25 Meter). Die beiden alten Bäder hatten zusammen 16 Bahnen in drei 25-Meter-Becken. Der Verein Bürger.Bad.Godesberg argumentiert, es könnten dort sechs statt vier Schulklassen gleichzeitig unterrichtet werden. Zum einen sei das Aus für das Kurfürstenbad durch den letzten Bürgerentscheid beschlossen, kontert SWB-Sprecher Schui. Zum anderen biete das Wasserland mit drei zusätzlichen Lehr- und Kursbecken mehr Wasserzeiten als die beiden alten Bäder zusammen – pro Jahr 95.000 Bahnstunden für alle Nutzer (alte Bäder bisher: 54.000 Stun-den).
Wird der Verkehr rund um das neue Bad zunehmen?
Auf jeden Fall. Im Schnitt werden mehr als 1000 Besucher erwartet, von denen viele mit dem Auto kommen dürften. Auf dem benachbarten Miesengelände sollen außerdem in den nächsten Jahren viele neue Arbeitsplätze in Bürogebäuden entstehen.

Pro und Contra zum Wasserlandbad

• Pro: Ute Pilger, Vorsitzende des Stadtschwimmverbandes

Mit dem Neubau eines Familien-, Schul- und Sportschwimmbades und der beschlossenen Sanierung von Hardtbergbad und Beueler Bütt haben die Vereine endlich Planungssicherheit.
Der Schwimmsport in Bonn hat wieder eine Zukunft. Bei den Planungen wurde berücksichtigt, dass Bonn ein Sportschwimmbad entsprechend der Vorgaben des Deutschen Schwimmverbandes zur Ausrichtung von amtlichen Wettkämpfen fehlt. Durch das 10-Bahnen-Becken, die Lehrbecken und die Multifunktionsräume verbessern sich die Trainings- und Wettkampfbedingungen für alle Wassersportarten deutlich. Engagement und Zusammenarbeit der Vereine werden durch das größere Platz- und Schwimmangebot und die verantwortliche Nutzung des separaten Sportbeckens gestärkt.
Die Neuordnung der Bonner Bäderlandschaft ist eine Chance für Schulschwimmen und Schwimmkurse. Aktuell verfügen die drei Hallenbäder in Bonn über drei Lehrbecken. Nach Abschluss der Neuordnung stehen dem Schulschwimmen und für Schwimmkurse in den im gesamten Stadtgebiet verteilten drei Hallenbädern fünf Kursbecken zuzüglich des Hubbodens im neuen Bad zur Verfügung. Damit verdreifacht sich die Wasserfläche und wird durch die ganzjährige Öffnungszeit des neuen Bades weiter verbessert. Besondere Sicherheitsanforderungen in diesen Bereichen waren ein Planungsschwerpunkt. Vielfältigkeit und Attraktivität des Wasserlandbades werden dazu beitragen, dass Kinder gerne das Bad besuchen und ihre Schwimmfähigkeiten vertiefen.
Die Deutsche-Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) kann ihre Ausbildung besser absichern. Zu den wichtigsten Aufgaben der DLRG gehört die Ausbildung zur Rettungsfähigkeit. Mit den entsprechenden Wassertiefen und der Gestaltung der Sprunganlage bietet das Wasserlandbad optimale Ausbildungsbedingungen. Die Sanierung des Hardtbergbades und der Beueler Bütt sichern das Angebot ab.
Es gibt in Zukunft Barrierefreiheit für alle. Das Wasserlandbad ist in allen Bereichen 100 Prozent barrierefrei geplant. Damit wird die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen im Schwimmsport vollständig möglich sein.
30 Jahre politische Diskussion sind genug! Wir brauchen das neue Wasserlandbad, damit Schwimmen und Schwimmsport in Bonn eine Zukunft haben.

• Contra: Axel Bergfeld („Kurfürstenbad bleibt!“ und „Frankenbad bleibt Schwimmbad“)

Stadtteilbäder sind wie Schulen, Kindergärten und Bürgerämter unverzichtbarer Teil des Alltags. Ob es sie gibt oder nicht, entscheidet über unsere Lebensqualität und die unserer Kinder – genau dort, wo wir wohnen und leben. Kurze Wege und eine starke öffentliche Grundversorgung sind Voraussetzungen für vielfältige und lebendige Stadtviertel. Sie stärken Identität und gewachsene Lebens-zusammenhänge – in Bonn, in Beuel, in Bad Godesberg und am Hardtberg.
Der Bau eines Zentralbades würde alle Bürgerinnen und Bürger mit mehr als 60 Millionen Euro Baukosten belasten – und wäre doppelt so teuer wie die Sanierung unserer Stadtteilbäder in Bonn und Bad Godesberg. Anfahrtswege und – zeiten würden sich für alle deutlich verlängern, was das Aus fürs Schulschwimmen für viele Schulen im Bonner Süden und Norden zur Folge hätte. Der innerstädtische Verkehr würde systematisch forciert, mehr als 100 sat-zungsgeschützte Bäume gefällt und das stadtklimatisch wichtige ökologische Freiraumsystem vor Ort unwiederbringlich zerstört – bei gleichzeitig auf das Doppelte bis Dreifache des derzeitigen Tarifs steigenden Eintrittspreisen. Des-halb ist klar: Eine Schließung von Kurfürsten- und Frankenbad zugunsten ei-nes Bonner Zentralbades ist kein tragfähiges, bürgernahes und konsensfähiges Bäderkonzept für ganz Bonn.
Im Bürgerentscheid geht es jetzt nicht um die Wahl zwischen Alt und Neu. Denn behinderten- und familiengerecht, barrierefrei, lichtdurchflutet und mit Wasserrutschen oder Sauna- und Erlebnisbereichen ausgestattet sind sowohl ein neues Zentralbad als auch grundsanierte neue Stadtteilbäder. Es geht bei der Abstimmung über die zukünftige Bäderlandschaft vielmehr um Grundsatzfragen künftiger Stadtentwicklung, für die das Ergebnis des Bürgerentscheids richtungsweisend ist: In welcher Stadt wollen wir leben? Wollen wir öffentliche Orte für Begegnung und Miteinander in unserer Nachbarschaft erhalten und fördern? Einen wertschätzenden, achtsamen und pfleglichen Umgang mit öffentlichem Eigentum? Wollen wir starke oder schwache Stadtteile? Und sind wir bereit, statt teurer Prestigeprojekte Entscheidungen für bürgernahe Projekte mit Maß und Mitte zu treffen? Wer das will, stimmt im Bürgerentscheid mit JA – und macht so den Weg frei für vier Stadtteilbäder in vier Stadtbezirken!

Wird es ein separates Muslima-Schwimmen geben?

Noch unklar. Die baulichen Voraussetzungen, um Becken mit Vorhängen abzuschirmen, werden geschaffen. Wünsche von interessierten muslimischen Frauen waren während der Bürgerbeteilung an die Stadtwerke herangetragen worden, und die Planer ha-ben reagiert. Am Ende dürfte es eine politische Entscheidung sein.

Wie ist der aktuelle Stand?

Das Bebauungsplanverfahren läuft, die SWB arbeiten unter anderem an der Entwurfs- und Genehmigungsplanung. Im März hat der Rat die Änderung des Flächennutzungsplans genehmigt. Schlägt der Bürgerentscheid fehl, suchen die Stadtwerke als nächstes einen Generalunternehmer. Eröffnung des Wasserlandbads soll 2021 sein.

Was passiert, wenn der Bürgerentscheid erfolgreich ist?

Die Kommune müsste den Stadtwerken die bisherigen Kosten für Planung und anderes erstatten – nach ihren Angaben rund 6,7 Millionen Euro. Die Bäderdebatte würde von Neuem beginnen. Zwar sind für die Sanierung von Hardtbergbad und Beueler Bütt rund 26 Millionen Euro im städtischen Haushalt vorgesehen. Für Kurfürsten- und Frankenbad ist im Bäderkonzept, das die Ratsmehrheit beschlossen hat, aber kein Budget vorgesehen. Ohne das Wasserlandbad muss deshalb laut Stadtverwaltung das ganze Paket aufgeschnürt werden: Dann sei eine neue Gesamtplanung der Bäderlandschaft zu erstellen und vom Rat zu beschließen.